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Josef Werndl Denkmal in Steyr

Karte: Archiv - Roland Bartl
Ansichtskarte von 1935

 

 

Waffenfabrik in Steyr um 1915

Karte: Archiv - Roland Bartl
Ansichtskarte Steyr 1915

 

 

Waffenradfabrik Steyr, Verwaltung und Haupttor 1916

Foto: Stadtarchiv Steyr
Fabriksverwaltung und Haupttor 1916

 

 

Ansicht auf einen Teil der Waffenradfabrik 1934

Foto: Stadtarchiv Steyr
Teil der Waffenradfabrik 1934

STEYR Waffenrad Steuerkopfschild 1939

Foto: Waffenradl.at - Team
Steuerkopfschild 1939

Das original STEYR Waffenrad

Die Waffenfabrik

Die Anfänge der STEYR Werke sind im Jahr 1821 zu finden, damals nahm Hr. Leopold Werndl die Produktion von Waffenteile auf. Diese Waffenschmiede, die 1855 sein Sohn Josef Werndl übernahm, wurde 1869 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, und firmierte als Österreichische Waffenfabriks Gesellschaft (ÖWG).

Die lange Friedensperiode in Europa ließ die Waffenproduktion, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, dramatisch zurückgehen. Die ÖWG musste starke Umsatzeinbußen verbuchen, daher suchte die Geschäftsleitung nach einem Zusatzprodukt, das sowohl dem Militär, als auch der Zivilbevölkerung von Nutzen sein, und so bei Waffenproduktionsflauten die Werkskapazitäten auslasten sollte.

Der von England ausgehende Fahrradboom, ließ auch bei uns die Nachfrage nach dem neuen Fortbewegungsmittel steigen. Es bot sich somit an, in der Waffenfabrik, Fahrräder herzustellen.

Distanzfahrt Wien - Berlin

Die Distanzfahrt Wien – Berlin, im Jahre 1893, spielte dabei womöglich eine entscheidende Rolle. Bei diesem „Wettrennen“ traten Eilzug, Fahrrad, Reiter des Militärs und Offiziere zu Fuß gegeneinander an. Der Reiter benötigte für die 582 km lange Strecke 71 Stunden 35 Minuten, der Radfahrer nur 31 Stunden und 22 Minuten, also weniger als die Hälfte der Zeit. Der Fußgänger brauchte die vierfache Zeit des Radlers und der Eilzug war „nur“ doppelt so schnell wie das Fahrrad.

Das Fahrrad war also erwiesenermaßen, durch seine Flexibilität und Geschwindigkeit, durchaus auch militärisch brauchbar, und konnte aufgrund des Maschinenparks und des Fachpersonals der Waffenfabrik, problemlos in Steyr hergestellt werden.

Erstproduktion

Die Geschäftsleitung wollte aber kein Risiko mit einer eigenen Entwicklung eingehen, und so holte man sich das Know-How aus England und fertigte, unter Lizenz der „Coventry Machinists Co. LTD“, deren Modellpalette an Fahrrädern mit dem Namen SWIFT.

Eine Zeitungsannonce der ÖWG von 1894 besagt: „Die Oesterreichische Waffenfabriks-Gesellschaft hat in Anlehnung an erste Englische Firmen die Erzeugung von Fahrrädern aufgenommen …“

Anfangs konnte sich aber nur die wohlhabende Bevölkerungsschicht ein solches Rad leisten, es kostete mit 370 Kronen fast die Hälfte eines Jahreseinkommens einer Arbeiterfamilie, welches ca. 750 Kronen betrug. Die Reichen aber schwärmten  für das Steyrer SWIFT  Radl, und auch Adelige, wie z.B. Kronprinzessin Stephanie, deren Tochter die Erzherzogin Elisabeth, Gräfin Waldstein, oder Erzherzog Franz Salvator fuhren SWIFT Räder und Tandems aus Steyr.

Das Waffenrad

Schon 2 Jahre später, am 13. August 1896, wurde der Markenname „WAFFENRAD“ registriert. Damit war der Grundstein für eine Weltweite Erfolgsgeschichte gelegt.

Die Geschäfte der ÖWG liefen gut, es wurde viel Geld in die Technik mit stetigen Neuerungen gesteckt, aber auch in Werbung wurde viel investiert. Werbeträger waren in erster Linie die Adeligen! Weiters versuchte man die bekanntesten Radrennfahrer zu verpflichten, sodass diese ihre Siege auf Waffenräder aus Steyr einfahren konnten. Radrennen waren zu der Zeit Publikumsmagneten! Eine weitere großangelegte Werbekampagne war 1897 die Reaktivierung einer ungenutzten Radrennbahn in der Kronprinz-Rudolf Str. 2 in Wien, welcher man den Namen Waffenradbahn gab und sie, für damalige Verhältnisse, modernst einrichtete.

1898 stattete die österreichische Post ihre Briefträger mit Waffenrädern der ÖWG aus (noch 1993 waren ca. ¾ der Posträder in Österreich, Waffenräder in Herren oder Damenausführung).

Schön langsam wurden die Waffenräder auch billiger, so kostet z.B. 1902 eine Waffenrad Damenmaschine Modell 88, mit 235 Kronen „nur“ mehr 1/3 eines Familien Jahreseinkommens. Auch gibt es schon gebrauchte Räder auf „Fetzenmärkten“ zu Kaufen, und kommen somit auch für Bürger aus der Arbeiterschicht in leistbare Nähe.

Schon 1911 hatte der Absatz der Waffenräder eine solche Steigerung erfahren das man die Abteilung der Waffenradproduktion vergrößern musste. Auch wurden ab dieser Zeit, neben den Rädern der Marke „Waffenrad“, auch solche der Marke „KOSMOS“ in Steyr produziert. Diese Kosmos Räder waren billigere, einfacher gebaute Fahrräder der ÖWG.

Am 9. Juni 1925 wurde die ÖWG in Steyr-Werke-AG umbenannt. Von Produktionsbeginn 1894 bis Mitte 1925, hatten die Fabrikstore der ÖWG 350 000 Fahrräder verlassen (Steyr Kosmos nicht mitgezählt).

1925 lag der Preis der Waffenräder zwischen 225,- und  295,- Schilling.

Austro Daimler-Puch

Der Winter 1928/29 war hart, daraus resultierten Umsatzeinbußen am Fahrradmarkt der Steyrer. Auch im Frühling und Sommer bessert sich die wirtschaftliche Lage nicht. Um eine gegenseitige Konkurrenzierung auszuschalten fusionierte sich die STEYR-WERKE-AG mit dem in Graz ansässigen Fahrradkonzern, der AUSTRO-DAIMLER-PUCHWERKE AG.

1929 ist somit das letzte Jahr, in dem das Steyr Waffenrad noch wirklich komplett aus der Fahrrad Abteilung in Steyr kommt, denn ab dieser Zeit wurden die Räder in beiden Werken produziert, vorwiegend im Steyr Werk, zu einem geringen Teil im Puch Werk in Graz.

1934 wurde die Austro Daimler-Puchwerke AG aus dem Register gelöscht und die STEYR-DAIMLER-PUCH-AG ins Handelsregister eingetragen. Ab diesem Zeitpunkt hörte man mit der Fahrradproduktion in Steyr gänzlich auf und verlegte diese komplett nach Graz. In Steyr konzentrierte man sich ab da vermehrt auf den Automobilobereich.

Das Ende

"Waffenräder" wurden also ab 1934 in der STEYR-DAIMLER-PUCH AG in Graz hergestellt, diese wurde damit zu einer der größten Fahrradfabriken Europas. Und da endet im Prinzip die Geschichte mit dem original Steyr Waffenrad. Denn obwohl die Räder welche in Graz produziert wurden, weiter den Markennamen „Steyr Waffenrad“ trugen, zählen unter Sammlern nur Waffenräder, die in der Waffenradfabrik in Steyr gefertigt wurden, zu den original Steyr Waffenräder. Die Steyr-Daimler-Puch AG wurde dann 1987 an den italienischen Piaggio Konzern verkauft, welcher sich verpflichtete  noch 10 Jahre lang "Waffenräder" weiter zu produzieren! Seit 1997 ist aber entgültig Schluß mit der Waffenradproduktion.

 

Wenn Sie Ausführlicheres über die Geschichte des original STEYR Waffenrades erfahren wollen, ist das Buch Das STEYR Waffenrad sehr zu empfehlen!

 

 

Ein Blick in die Fabrikshallen der Waffenradfabrik um 1910

Fotos: Stadtarchiv Steyr
Waffenradfabrik um 1910